NEU.LAND. Headerbild Betriebswirtschaftliche Kennzahlen

INFOBAUSTEIN: BETRIEBSWIRTSCHAFTLICHE KENNZAHLEN

Buchführung und Kennzahlen – Das Fundament für erfolgreiche Betriebsführung

Eine gute Buchführung ist das Fundament für jede betriebswirtschaftliche Analyse. Ohne aktuelle und korrekte Zahlen lassen sich weder Investitionen noch Hofübergaben zuverlässig planen. Viele Betriebe konzentrieren sich zunächst auf steuerliche Pflichten, doch für die Unternehmensführung sind andere Aspekte wichtig: Transparenz, Vergleichbarkeit und zeitnahe Auswertungen. Wer von Anfang an ein gutes System aufbaut, spart später Zeit, Geld und Nerven.


Start: Wirtschaftsjahr und Organisation

In der Landwirtschaft ist das sogenannte abweichende Geschäftsjahr vom 01.07.–30.06. üblich. Für manche Betriebe, z.B. mit Gemüsebau, kann das Kalenderjahr sinnvoller sein. Wichtig: Wenn mehrere Unternehmen (z. B. Landwirtschaft, Direktvermarktung, Energie) bestehen, erleichtert ein einheitliches Wirtschaftsjahr die Analyse. Sprechen Sie dies frühzeitig mit der Steuerberatung ab.


Zeitnahe und korrekte Buchführung

Buchführung ist mehr als Steuerberechnung – sie ist ein Steuerungsinstrument. Deshalb sollten betriebswirtschaftliche Auswertungen (BWA) oder Geldrückberichte monatlich, mindestens quartalsweise vorliegen. Vereinbaren Sie feste Termine mit der Steuerkanzlei. Je aktueller die Zahlen, desto einfacher lassen sich Fehler erkennen und Entscheidungen treffen.


Praxis-Tipps für Familienbetriebe:
Private Entnahmen und Einlagen sauber buchen, um die Geldflüsse des Betriebes und die privaten Lebenshaltungskosten zu kennen.
Überweisen Sie regelmäßig einen festen Betrag für Lebenshaltungskosten auf ein Privatkonto.
Liquiditätsausgleich zwischen Betrieb und Privat besser über Darlehen als über Einlagen gestalten.
Nach guten Jahren Rücklagen für Steuern bilden, um Engpässe zu vermeiden.


Zusammenarbeit mit Steuerberatung

Viele Gründerinnen und Gründer, aber auch erfahrene Landwirtsfamilien wissen nicht, welche Auswertungen möglich sind. Neben dem (vorläufigen) Jahresabschluss gibt es Betriebswirtschaftliche Auswertungen (BWA) oder Geldberichte, Vorjahresvergleiche, 3-Jahres-Übersichten und Kontenjournale, auch für Entnahmen und Einlagen. Diese Daten sind wertvoll für Planung und Investitionen. Fragen Sie aktiv nach – die Steuerkanzlei bietet diese Auswertungen oft nicht von sich aus an.


Kennzahlen verstehen und nutzen

Kennzahlen sind das Werkzeug, um die wirtschaftliche Lage zu beurteilen. Für eine fundierte Analyse sollten mindestens die letzten drei Jahre betrachtet werden.
Hier die wichtigsten Kennzahlen:


Liquidität
Cashflow 1: Gewinn + Abschreibungen
→ Zeigt, wie viel Geld aus der laufenden Tätigkeit verfügbar ist.
Cashflow 2: Cashflow 1 – Privatentnahmen + Privateinlagen
→ Finanzierungskraft des Unternehmens nach privaten Ausgaben inkl. Steuern.
Cashflow 3: Cashflow 2 – Tilgungen
→ Betrag, der nach Darlehenstilgung übrig bleibt.
Praxiswert: Cashflow 3 sollte positiv sein und idealerweise die Höhe der Abschreibungen erreichen.
Rentabilität
Gewinnrate: Gewinn ÷ Umsatz
→ Zeigt, wie viel Prozent vom Umsatz als Gewinn bleiben.
Praxiswert: Je niedriger die Gewinnquote, desto empfindlicher reagiert der Betrieb auf Umsatzrückgänge.
Einkommen pro Arbeitskraft: ordentliches Ergebnis + Personalaufwand ÷ Vollarbeitskräfte
→ Vergleichbarkeit zwischen Betriebsformen und Größen.
Praxiswert: bei aktuellem Mindestlohn betragen die Personalkosten (Arbeitgeber-Brutto) ca. 37.000 EUR. Wird dieser Wert unterschritten, besteht Handlungsbedarf.
Stabilität
Eigenkapitalbildung: Ordentliches Ergebnis – Privatentnahmen + Privateinlagen
→ Stärkt die Vermögenssubstanz und sichert die Zukunft.
Eigenkapitalquote: Eigenkapital ÷ Bilanzsumme
→ Anteil des Vermögens, der dem Betrieb selbst gehört.
Praxiswert: 30 % gilt als guter Wert, 10 % ist die Untergrenze. In der Landwirtschaft ist die Quote oft höher durch Boden, der seit Jahrzehnten in Familienbesitz ist.


Vergleich und Analyse mit Branchenwerten

Wer seine eigenen Kennzahlen kennt, kann die Ausgangssituation besser beurteilen, neue Betriebszweige gut vorbereiten, Investitionen planen und Liquidität sichern.
Die Aussagekraft Ihrer Kennzahlen steigt durch den Vergleich mit ähnlichen Betrieben. Für die Landwirtschaft gibt es detaillierte Daten aus dem Testbetriebsnetz (BMEL) und der LfL Bayern. Für andere Branchen sind Erfahrungswerte von Beratung und Verbänden hilfreich.


Praxistipp für Familienbetriebe
Vereinbaren Sie mit der Steuerberatung, dass 3-5 Monate nach Bilanzstichtag der vorläufige Jahresabschluss vorliegen soll - dann haben sie ihn im Winter für Analysen und Planungen verfügbar.
Nutzen Sie Vergleichszahlen aus offiziellen Quellen, um Ihre Kennzahlen einzuordnen.
Für Nebenbetriebe und Diversifizierung (Hofladen, Ferienwohnungen etc.) spezielle Kennzahlen wie Wareneinsatzquote oder Auslastung beachten.
Vor großen Investitionen oder der Hofübergabe: Buchführung und Jahresabschlüsse auf den aktuellen Stand bringen.



Der Inhalt wurde von Cornelia Roeckl, Leitung des Fachteams Betriebsentwicklung des Bioland e.V., erstellt.



Hinweis:
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