INFOBAUSTEIN: BUSINESSPLAN
Neue Ideen für Betriebszweige auf bayerischen Höfen und Neugründungen in der Landwirtschaft entstehen auf unterschiedlichste Art und Weise. Oft beginnen sie klein und wachsen langsam, manchmal ist ein großer Schritt erforderlich. Auf dem Weg von der ersten Idee bis zur erfolgreichen Umsetzung finden viele Gespräche im Familien- und Freundeskreis, mit Berufskollegen, möglichen Geschäftspartnerinnen und Geschäftspartnern statt und – etwas später – häufig auch mit Banken. So reift die Geschäftsidee langsam zu einem Konzept heran und Sie haben sich überzeugt, dass Ihre Produkte und Dienstleistungen auch ausreichend Käuferinnen und Käufer finden werden.
Nicht nur für die Bank!
Ein schriftlicher Businessplan oder Geschäftsplan (hier synomym gebraucht, andere Bezeichnungen sind Investitionskonzept oder Betriebsentwicklungsplan) wird in der Landwirtschaft oft nur erstellt, wenn er für Förderanträge oder von Banken gefordert wird. Banken brauchen einen Geschäftsplan v.a. in folgenden Situationen:
- neu gegründete Unternehmen
- neue Betriebszweige, die den Gesamtbetrieb deutlich verändern
- Sprunginvestitionen, d.h. eine deutliche Ausweitung des bestehenden Geschäfts
Daher sollte der Geschäftsplan auch auf die Bedürfnisse dieser Zielgruppe zugeschnitten sein.
- Er muss für Laien verständlich, möglichst voraussetzungslos die unternehmerischen Ideen schriftlich darstellen und zeigen, dass sie organisatorisch und wirtschaftlich erfolgreich sein können. Banken, die viele solcher Geschäftspläne sehen, sind sich bewusst, dass die Realität anders verlaufen wird als der Plan. Aber das bedeutet nicht, „planlos“ in große Vorhaben zu starten.
- Gleichzeitig sollte der Businessplan so kurz wie möglich sein, da Zeit überall knapp ist. Für den Textteil (siehe unten) reichen in der Regel ca. 10 Seiten. Konzentrieren Sie sich auf das Wesentliche.
- Selbst wenn die Firmenbetreuung einer Bank persönlich auf den Betrieb kommt, sich mit den Verantwortlichen unterhält und Daten und Fakten aufnimmt, muss sie ab einem bestimmten Darlehensbetrag dies in der Bank intern schriftlich dokumentieren. Auch dabei ist ein aussagekräftiger Businessplan hilfreich.
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| Schreiben Sie den Geschäftsplan nicht nur für Andere. Die Erstellung des Businessplans hilft Ihnen, ihr Vorhaben gründlich und in allen Aspekten zu durchdenken und dieses Ergebnis festzuhalten. |
Doppelt genäht hält besser
Ein umfänglicher Geschäftsplan enthält zwei Teile:
1. Im "Textteil"
wird das Vorhaben in allen wesentlichen Aspekten beschrieben und analysiert. Diese Vorhabensbeschreibung beantwortet die Fragen:
- Was haben wir vor?
- Warum wird das Produkt oder Angebot gebraucht und nachgefragt?
- Wie setzen wir es um?
- Können wir das?
2. Im "Zahlenteil"
werden die wirtschaftlichen und finanziellen Aspekte geplant und dargestellt Diese Planungen zeigen, welche Erträge und Kosten zu erwarten sind und wie das Investitionsvorhaben finanziert werden soll. Ggfs. ist es sinnvoll mehrere Szenarien zu rechnen. Die Wirtschaftlichkeitsplanung beantwortet also die Fragen:
- Wie ist die aktuelle wirtschaftliche Situation?
- Rechnet sich die neue Aktivität?
- Wie werden die Investitionen und die Anlaufphase finanziert?
Ein „Knackpunkt“ ist – bei bestehenden Betrieben - der Anschluss der Zukunftsplanung an die Ist-Analyse der letzten Jahresabschlüsse.
Bei mehreren Betriebszweigen ist ggfs. eine Betriebszweigabrechnung nötig. In dieser werden die Erträge und Kosten dem jeweiligen Betriebszweig eindeutig zugeordnet, um nicht nur die Ergebnisse des Gesamtbetriebes, sondern auch der wesentlichen Betriebszweige zu kennen.
Bei weniger komplexen Vorhaben reicht es oft, nur eine Wirtschaftlichkeitsplanung zu erstellen und den Inhalt des „Textteils“ mündlich zu erläutern.
Vor der Erstellung lohnt es sich, zu schauen, ob für staatliche Zuschüsse Businesspläne in einer bestimmten Form erstellt werden müssen. Diese kann in der Regel auch für die Bankgespräche über das gleiche Vorhaben genutzt werden, da hier selten Formvorschriften für Geschäftspläne bestehen – allenfalls müssen Kreditanfragen online gestellt werden.
Aufbau und Gliederung
hilft dabei, auch ohne Beratung einen Businessplan zu erstellen. Diese Gliederung ist v.a. für landwirtschaftliche Betriebe gedacht, die sich erweitern, verändern, einen neues Betriebszweig oder ein zusätzliches Unternehmen gründen wollen.
Auch wenn der Businessplan mit Beratungsunterstützung erstellt wird, müssen letztlich die Unternehmerinnen und Unternehmer hinter der Darstellung im Plan stehen. Sie tragen das unternehmerische Risiko und müssen es gegenüber Banken, Fördermittelgebern etc. vertreten.
| Tipps: | Links: |
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| Prüfen Sie auch Alternativen: vielleicht können Sie Ihre Ziele auch anders erreichen – z.B. durch die Übernahme eines Betriebes statt einen neuen zu gründen. In den nächsten Jahren werden zahlreiche kleine und mittlere Unternehmen Nachfolgerinnen und Nachfolger außerhalb der Familie suchen - es lohnt sich, diese Option zu prüfen. Informationen und inspirierende Beispiele gibt es unter der Unternehmensnachfolgebörse nexxt-change. | nexxt-change |
| Auf eine solche Übernahme ist folgende Gliederung eines Geschäftsplans zugeschnitten: | Businessplan für eine Unternehmensnachfolge |
| Auf der Website Hof-gesucht-gefunden inserieren Höfe ohne Nachfolge (und auch interessierte Übernehmer). Dies stellt eine Fundgrube für Potenziale in der Landwirtschaft dar. Prüfen Sie doch, ob Ihre Idee auf einem der Höfe gut umgesetzt werden könnte. | Hof-gesucht-gefunden |
| Für die Landwirtschaft gelten eigene steuerliche Regeln und bestehen separate Förderprogramme und Beratungsstrukturen; gleichzeitig ist die landwirtschaftliche Urproduktion von manchen Förderprogrammen ausgeschlossen. Gerade für Gründungen im landwirtschaftlichen Umfeld, die aber nicht zur Urproduktion gehören, lohnt sich die Recherche außerhalb der „Agrarwelt“. Wenden Sie sich mit Fragen rund um die Gründung z.B. auch an die IHK. Prüfen Sie, ob für Ihre Idee ein Existenzgründungzuschuss in Frage kommt oder eine Bürgschaft zur Kreditsicherung – selbst wenn Sie gehört haben, dass die Landwirtschaft ausgeschlossen ist. | |
| Halten Sie nicht an einer Idee fest, nur weil Sie schon viel Zeit in die Vorbereitung gesteckt haben. Manchmal hat man sich in eine Idee verliebt, auf diese versteift und nutzt den Geschäftsplan nur, um die Idee zu begründen. Während einer gründlichen Prüfung eine Idee aufzugeben, ist besser, als sie „krampfhaft“ umzusetzen. |
Der Inhalt wurde von Cornelia Roeckl, Leitung des Fachteams Betriebsentwicklung des Bioland e.V., erstellt.
Hinweis:
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