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Zwischen Optimismus und der Angst zu scheitern – Die Sicht von Frauen auf Gründung und Diversifizierung in der Landwirtschaft

Die Ergebnisse der NEU.LAND. Umfrage aus dem Jahr 2025 zeigen: Frauen treiben Veränderungsprozesse in den Betrieben voran. Sie sehen insbesondere in der Diversifizierung große Zukunftschancen, stehen jedoch zugleich vor besonderen Herausforderungen.

Was treibt die Menschen in der Landwirtschaft an, was hält sie bei der Weiterentwicklung bestehender Betriebszweige zurück? - Diese Frage stand im Zentrum der NEU.LAND. Onlineumfrage zur Betriebsentwicklung. Insgesamt beteiligten sich 1.518 Personen aus der landwirtschaftlichen Praxis, darunter 548 Frauen. Neben 255 Betriebsleiterinnen nahmen 111 Hofnachfolgerinnen, 171 Partnerinnen sowie 11 Angestellte teil. Aus weiblicher Perspektive zeichnen sich besondere Motive, Herausforderungen und Erfolgsfaktoren ab.



Frauen führen häufiger spezialisierte Diversifizierungsbetriebe

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Abbildung 1: Betriebsschwerpunkte der befragten Betriebsleiterinnen

Die Ergebnisse zeigen deutliche strukturelle Unterschiede: Betriebsleiterinnen führen signifikant häufiger Betriebe mit Schwerpunkt Diversifizierung als Betriebsleiter (31 % gegenüber 12,8 %). Dagegen liegt der Betriebsschwerpunkt bei Frauen seltener in der landwirtschaftlichen Urproduktion, insbesondere im Ackerbau (13,4 % gegenüber 22,2 %).
Zwar verfügen die von Frauen geführten Betriebe insgesamt nicht häufiger über zusätzliche Standbeine, bestimmte Diversifizierungsbereiche sind jedoch deutlich stärker vertreten. Besonders häufig etabliert sind „Urlaub auf dem Bauernhof“ sowie Erlebnisorientierte Angebote (Abbildung 1).


Andere Bildungswege und akademischen Professionalisierung bei Hofnachfolgerinnen

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Abbildung 2: Ausbildungsunterschiede

Auch bei der Ausbildungssituation zeigen sich Unterschiede: Die Summe der befragten Frauen verfügt signifikant seltener über eine klassische landwirtschaftliche Ausbildung oder ein agrarbezogenes Studium. Häufiger gaben sie eine außerlandwirtschaftliche Ausbildung (50,3 % gegenüber 33,9 % bei Männern) oder ein anderes Studium (21,8% gegenüber 13,4%) an. Dies trifft in besonderem Maße auf Partnerinnen sowie auf befragte Betriebsleiterinnen zu.
Unter den Hofnachfolgerinnen zeigt sich dagegen ein vergleichsweise hoher Akademisierungsgrad: 24,2 % verfügen über einen landwirtschaftlichen Hochschulabschluss, 30,5 % über einen anderen Studienabschluss (Abbildung 2).

Bereits die bundesweite Studie „Frauen auf landwirtschaftlichen Betrieben in Deutschland“ verweist darauf, dass akademische Professionalisierung für viele Frauen eine Form der Selbstermächtigung darstellt. Denn im Vergleich zu männlichen Hofnachfolgern werden Frauen häufig später und weniger selbstverständlich in betriebliche Abläufe eingebunden. Laut der Studie trauen sich Frauen aufgrund fehlender technischer Vorkenntnisse seltener eine landwirtschaftliche Ausbildung zu.


Frau geht am Feld.



Zentrale Motive für Veränderung auf landwirtschaftlichen Betrieben

Die Ergebnisse der NEU.LAND. Umfrage zeigen deutlich: Die zentralen Motive für Veränderungen auf landwirtschaftlichen Betrieben sind stark ökonomisch geprägt. Sowohl für Männer als auch für Frauen stehen an erster Stelle die Sicherung der betrieblichen Zukunft (58,9 %) und die Steigerung des Betriebseinkommens (55,9 %). Bereits an dritter Stelle folgen intrinsische Beweggründe wie persönliches Interesse und Selbstverwirklichung (44,8 %).
Frauen begründen den erfolgten Einstieg in neue Betriebszweige dabei signifikant häufiger mit dem Wunsch, den Betrieb zukunftssicher aufzustellen (65,3 % gegenüber 53,5 % bei Männern). Gleichzeitig spielen Selbstverwirklichung und persönliche Interessen eine noch größere Rolle als bei Männern (50,7 % gegenüber 40,6 %). (Abbildung 3)

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Abbildung 3: Motive für das Umsetzen neuer Vorhaben


Betriebliche Herausforderungen

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Abbildung 4: Betriebliche Herausforderungen beim Umsetzen neuer Vorhaben

Sowohl die rechtlichen Vorgaben als auch das unternehmerische Risiko und vor allem fehlende Arbeitskapazitäten wurden von den Frauen höher gewichtet als von Männern (Abbildung 4; erfolgte Betriebszweiggründung in den letzten drei Jahren; n=333).

1. Rechtliche Vorgaben (Frauen: 37,2% vs. Männer: 28,5%)
2. Unternehmerisches, finanzielles Risiko (33,8% vs. 22,3%)
3. Aufwand bei Neugründung (30,8% vs. 30,6%)
4. Fehlende Arbeitskapazitäten, Fachkräftemangel (28,8% vs. 12,7%)

Die Ergebnisse bestätigen damit die Erkenntnisse der Studie „Wie Frauen erfolgreich gründen - Unternehmerinnen in der Landwirtschaft“, die im Rahmen des EU-Forschungsprojekts FEMAGREE untersucht hat, wie mehr Frauen zu erfolgreichen landwirtschaftlichen Unternehmerinnen werden können. Darin wird die finanzielle Unsicherheit unter anderem damit begründet, dass es Frauen im Vergleich zu Männern schwerer fällt, Kredite zu erhalten.
Die Verfügbarkeit von Arbeitskräften als ein zentrales Problem im Zusammenhang mit Diversifizierungsmaßnahmen wurde auch von Berlik et al. (2024) als Herausforderung identifiziert. Hier werden insbesondere der Fachkräftemangel, die unattraktiven Arbeitszeiten und die Entlohnung in der Landwirtschaft genannt.


Persönliche Herausforderungen

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Abbildung 5: Persönliche Herausforderungen beim Umsetzen neuer Vorhaben

Frauen (n=138) – insbesondere Betriebsleiterinnen mit erfolgter Betriebszweiggründung– nannten die „Angst zu scheitern“ deutlich häufiger als Männer (32,5 % gegenüber 18,3 %; (Abbildung 5).
1. Angst zu scheitern (32,5% Frauen vs. 18,3% Männer)
2. Fehlendes Fachwissen (20,6% vs. 20,3%)
3. Generationenkonflikte (13,9% vs. 12,8%)
Hofnachfolgerinnen beklagten zudem häufiger fehlende Informationen über mögliche neue Geschäftsfelder und Widerstand aus dem Umfeld (z.B. aus dem Dorf).



Erfolgsfaktoren

Frau mit Kind an ihren Rücken gebunden (Kinderrucksack) ist am Feld

Als besonders förderlich für den Erfolg neuer Vorhaben erwiesen sich laut der NEU.LAND. Umfrage der Rückhalt und die Unterstützung in der Familie, der Austausch und die Vernetzung mit Gleichgesinnten, gefolgt von Weiterbildungsangeboten, wie z.B. (Online-) Schulungen und Workshops.

Hofnachfolgerinnen und Betriebsleiterinnen, die bereits eine Betriebszweiggründung abgeschlossen haben, schreiben Weiterbildung einen wesentlich größeren Wert zu als ihre männlichen Berufskollegen.


Wünsche für Unterstützungsangebote

Frauen sind laut Umfrageergebnisse offen für Unterstützung und aktiv auf der Suche nach Austausch, Wissen und Orientierung. Die Auswertung der Teilgruppe mit erfolgter Gründung von neuen oder zusätzlichen Betriebszweigen zeigt, dass Frauen (n= 138) deutlich eher bereit sind, Förder- bzw. Beratungsangebote in Anspruch zu nehmen und greifen dafür häufiger auf das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (66,0 % gegenüber 47,4%), auf Informationen im Internet und in den Medien (58,2 % gegenüber 44,9 %) sowie auf Erfahrungen von Berufskollegen und -kolleginnen (51,7 % gegenüber 43,1 %) zurück.

Zukunftsperspektiven – was planen Frauen auf den Betrieben?

Frau begleitet Reitergruppe

Die Ergebnisse erlauben differenzierte Aussagen zu zukünftigen Entwicklungsstrategien der Befragten:

Frauen, die die Ausweitung eines Betriebszweigs planen (n= 135), geben im Gegenzug zu Männern häufiger Bereiche der Diversifizierung an, vor allem „Urlaub auf dem Bauernhof“ (9,9 % gegenüber 1,0 %), seltener eine Ausweitung des Ackerbaus (2,6 % gegenüber 17,7 %).
Eine Reduktion oder komplette Aufgabe des Betriebszweiges begründen Frauen (n=125) signifikant häufiger mit fehlenden Arbeitskapazitäten und Überlastung (61,5 % gegenüber 44,0 %) und dem unternehmerischen Risiko (17,2 % gegenüber 9,1 %). Weniger ausschlaggebend sind in ihren Augen die zu knappe Flächenausstattung und Markt- und Planungsunsicherheit. Auf persönlicher Ebene spielen insbesondere fehlendes Fachwissen und weitere Gründe, wie z.B. Zeitmangel ebenso eine wichtige Rolle.

In den Ergebnissen spiegelt sich die Mehrfachbelastung vieler Frauen wider. Neben der Mitarbeit im Betrieb übernehmen sie häufig einen Großteil der Care-Arbeit. Bereits die Bäuerinnenstudie Bayern zeigte, dass 70 % der befragten Frauen allein für den Haushalt verantwortlich sind.


Einstieg in neue Betriebszweige geplant

Frauen (n= 83) planen signifikant häufiger einen Einstieg in Bereiche der Diversifizierung als in die landwirtschaftliche Urproduktion (81,6 % gegenüber 33,8 %). Sie erwägen signifikant häufiger die Teilbereiche Direktvermarktung (48,7 % gegenüber 27,2 %), erlebnisorientierte Angebote (25,9 % gegenüber 7,2 %), Bauernhofgastronomie (17,5 % gegenüber 7,2 %), soziale Landwirtschaft (16,3 % gegenüber 4,5 %) und hauswirtschaftliche Dienstleistungen (9,9% gegenüber 0%).
Betriebszweige der Diversifizierung werden häufiger als eigenständiges Gewerbe geführt. In diesem Zusammenhang überrascht es nicht, dass mit den neuen Vorhaben Frauen häufiger die Anmeldung eines Gewerbes (32,8 % gegenüber 23,1 %) angeben.
In die Energieerzeugung wollen hingegen signifikant weniger Frauen (12,6 % gegenüber 21,4 %) einsteigen.


Fazit

Frau arbeitet am Feld und lächelt in die Kamera.

Festzuhalten bleibt, dass Gründungs- und Veränderungsprozesse in der Landwirtschaft nicht allein als rein wirtschaftliche Vorhaben zu verstehen sind, sondern stets auch persönliche Faktoren eine zentrale Rolle spielen.
Trotz der stärker wahrgenommenen Herausforderungen erweisen sich Frauen als wichtige Treiber der Diversifizierung landwirtschaftlicher Betriebe, insbesondere im haushaltsnahen Bereich. Sie setzen verstärkt auf soziale, touristische und erlebnisorientierte Angebote sowie auf Direktvermarktung und erkennen darin wirtschaftliche Potenziale. Frauen bewerten zudem die Zukunftsperspektive der Betriebe insgesamt optimistischer.




Handlungsempfehlungen
Stärkere Berücksichtigung von persönlichen Herausforderungen, insbesondere der Angst vor dem Scheitern, etwa durch Mentoring- und Netzwerkangebote.
Erhöhte Sichtbarkeit weiblicher Vorbilder, um andere Frauen zur Übernahme von Verantwortung in landwirtschaftlichen Betrieben zu motivieren.
Beispiele für erfolgreiche Gründer-Geschichten finden Sie auf der NEU.LAND. Webseite unter „Hof-Stories“.
Kritische Auseinandersetzung mit tradierten Geschlechterrollen sowie eine gerechtere Verteilung von Care-Arbeit.




NEU.LAND.

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