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Coaching landwirtschaftlicher Betriebe

Was ist systemisches Coaching?

Coaching ist eine zeitlich begrenzte, prozessorientierte Begleitung von Personen oder Teams zur Erreichung ihrer beruflichen und persönlichen Ziele. Coaching ist dabei als organisierte Hilfe zur Selbsthilfe zu verstehen. Systematisches Coaching zielt dabei auf die Erweiterung der Wissens- und Handlungskompetenz sowie die Generierung neuer Informationen, Perspektiven, Beobachtungen und Erkenntnisse über die Zusammenhänge im persönlichen und betrieblichen System ab. Der Begriff "systemisch" im Kontext von Coaching bezieht sich auf eine Herangehensweise, die die Einzelperson nicht isoliert betrachtet, sondern als Teil eines größeren Systems (z. B. Familie, Betrieb) betrachtet.

Dabei bleibt die Verantwortung für die Entscheidungen und deren Umsetzung immer beim Betrieb.

Erkenntnisprozess statt Anweisung

Statt durch instruktive Informationen im Sinne von „Mach es so oder so“ zielt systemisches Coaching auf einen Erkenntnisprozess ab. Der Landwirt, die Landwirtin erhält von dessen Coach anstelle von Ratschlägen und Lösungen vor allem anregende, weiterführende und hilfreiche Fragen, damit die Lösungen von diesen selbst gefunden und entwickelt werden können. Systemisches Coaching fokussiert sich auf die Entwicklung von Lösungen, die das Wohlbefinden des s.g. "Coachees" und die Funktionalität im Veränderungsprozess des Systems verbessern.

Coaching unterscheidet sich von anderen Unterstützungsformaten wie der Fachberatung insbesondere durch seine prozessorientierte und nicht-direktive Herangehensweise. Während Fachberatung oder Training konkrete Lösungen, fachliche Empfehlungen oder definierte Kompetenzen vermitteln, zielt Coaching darauf ab, durch Reflexion und strukturierte Gesprächsprozesse eigenständige Lösungen und Entscheidungen der Coachees zu fördern. Der Coach übernimmt dabei primär die Rolle eines Prozessbegleiters und nicht die eines fachlichen Entscheiders. Auch wenn Coaching beratende Elemente enthalten kann, sollte es aber nicht ausschließlich daraus bestehen.


Coaching - Richtige Fragen stellen


Coaching im Pilotprojekt NEU.LAND.

Die teilnehmenden 20 Betriebe wurden über einen längeren Zeitraum durch Coaches begleitet. Dabei standen nicht nur die Entwicklung der Geschäftsidee, sondern auch persönliche, familiäre und betriebliche Rahmenbedingungen im Mittelpunkt.
Die Erfahrungen aus dem Pilotprojekt zeigen: Erfolgreiche Veränderungsprozesse benötigen neben fachlichem Wissen und wirtschaftlicher Planung auch Orientierung, Reflexion, Austausch und die Fähigkeit, Entscheidungen aktiv zu gestalten.

Welche Coaches waren im Projekt dabei?

Das NEU.LAND. Team wurde in der ersten Projektphase durch sieben erfahrenen Gründercoaches mit unterschiedlichen Hintergründen und Expertisen unterstützt. Sie verfügen über langjährige Erfahrung in der Beratung und dem Coaching von landwirtschaftlichen Betrieben.

Das Coach-Team im NEU.LAND. Pilotprojekt.
Das Coach-Team im NEU.LAND. Pilotprojekt.
(v.l) Cornelia Röckl [Bioland e.V.], Maria Lotter [entra agrar], Monika Pfleger [Hans Lindner Stiftung], Manuela Müller-Gaßner [Freiberuflicher Coach, muhmentum], Petra Wähning [Freiberuflicher Coach, Genussinvest], Helene Faltermeier-Huber [FüAk], Albert Eckl [Hans Lindner Stiftung].



Wie läuft ein Coachingprozess ab?

Coachingprozess nach dem GROW Modell

Ein Coachingprozess orientiert sich an den individuellen Zielen und Herausforderungen des jeweiligen Betriebs. Er ist als strukturierter Entwicklungsprozess angelegt und unterstützt Betriebe dabei, Ideen zu konkretisieren, Entscheidungen vorzubereiten und Veränderungsschritte umzusetzen.

Coachingprozesse verlaufen dabei selten vollständig linear. Neue Erkenntnisse, veränderte Rahmenbedingungen oder zusätzliche Fragestellungen können dazu führen, dass Ziele angepasst, neue Optionen entwickelt oder einzelne Prozessschritte erneut aufgegriffen werden.

Typischerweise folgt der Prozess den Phasen des GROW-Modells (Goal – Reality – Options – Will), ergänzt um eine abschließende Reflexion.


Zum Einsatz kommen dabei unterschiedliche Methoden des systemischen Coachings, beispielsweise lösungsorientierte Fragetechniken, Perspektivwechsel, Visualisierungen, Zielbilder oder strukturierende Instrumente wie SWOT-Analysen und Zielvereinbarungen.

Struktur, Klarheit und neue Perspektiven: Die Rolle des Coachings im Pilotprojekt

Coaching begleitet die Pilotbetriebe dabei, ihre Ideen zu strukturieren, Entscheidungen zu treffen und Veränderungsprozesse aktiv zu gestalten. Im Mittelpunkt steht die Entwicklung individueller Lösungen, die zum Betrieb und den persönlichen Zielen passen.

  • Orientierungsgespräch: Zu Beginn des Coachings findet ein Orientierungsgespräch statt, in dem die Ausgangssituation des Betriebs analysiert und erste Ziele definiert werden. Ziel ist es, Visionen zu schärfen und Klarheit über das weitere Vorgehen zu schaffen.
  • Methodische Begleitung und Unterstützung in komplexen Entscheidungsprozessen: Die Coaches bieten den Betrieben verschiedene Methoden und Tools an, um ihre Ideen strukturiert zu entwickeln, umzusetzen, Perspektiven zu erweitern und die richtigen Entscheidungen für sich und den Betrieb zu treffen. Dieses Vorgehen stärkt die Veränderungskompetenz der Verantwortlichen und hilft ihnen, flexibel auf neue Herausforderungen zu reagieren.
  • Kommunikation: Die Zusammenarbeit im landwirtschaftlichen Betrieb, oft geprägt durch das enge Miteinander von Betrieb und Familie, kann gerade in Veränderungsprozessen zu Spannungen und Konflikten führen. Ein Coach, als außenstehende Person, kann helfen, Kommunikationsbarrieren zu überwinden, Konflikte zu klären und ein harmonisches Miteinander zu fördern.
  • Fachliche Unterstützung: Durch die Zusammenarbeit mit Fachexperten können spezifische Fragen und Herausforderungen fachkundig beantwortet und gelöst werden.
  • Regelmäßige Treffen: In regelmäßigen Coaching-Sitzungen werden die Fortschritte besprochen, Feedback gegeben und die nächsten Schritte geplant und erarbeitet.
  • Vernetzung: Die Coaches fördern die Vernetzung der Pilotbetriebe untereinander und mit anderen Akteuren der Agrarbranche, um den Austausch und die Zusammenarbeit zu stärken.

Wissenschaftliche Begleitung

Die Pilotbetriebe wurden während der gesamten Projektlaufzeit wissenschaftlich begleitet. Ziel war es, die Entwicklung der Vorhaben sowie die Wirkung und Ausgestaltung des Coachings systematisch zu erfassen. Durch die Kombination verschiedener Perspektiven konnten Erfolgsfaktoren, Herausforderungen und Weiterentwicklungsmöglichkeiten des Coachings im landwirtschaftlichen Kontext herausgearbeitet werden.

Für die Evaluation wurden verschiedene Methoden kombiniert:

Symbolbild Wissenschaftliche Begleitung

Erhebungen bei den Betrieben
• Projekttagebücher zur Dokumentation von Entwicklungsschritten und Herausforderungen
• Interviews und Befragungen zu Erfahrungen, Fortschritten und dem Coachingprozess

Einbindung der Coaches
• Coaching-Tagebücher zur Erfassung von Themen und Methoden
• Interviews und Austauschformate zur Reflexion des Coachingansatzes

Interesse daran, welche Pilotbetriebe dabei waren?



Coaching in der Praxis: Eindrücke aus dem Pilotprojekt.

Impressionen der Coaching-Begleitung mit den landwirtschaftlichen Betrieben - PlayButton als Thumbnail für das Video
Video mit den Impressionen erreichbar über den Link im Text "Hier geht's zum Video."

Impressionen der Coaching-Begleitung mit den landwirtschaftlichen Betrieben – von der Analyse bis zur gemeinsamen Entwicklung individueller Lösungen im Pilotprojekt.

Hier geht's zum Video.

Noch Fragen?

Für weitere Informationen zum Coaching im NEU.LAND. Pilotprojekt stehen wir gerne zur Verfügung.


NEU.LAND.

Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft
Institut für Agrarökonomie – Arbeitsbereich Diversifizierung
Hans-Loher-Str. 32
Telefon: +49(0)8161 8640 4660
E-Mail: NEULAND@lfl.bayern.de