INFOBAUSTEIN: HOFÜBERGABE
Die Umsetzung neuer Ideen wird oft erschwert durch Konflikte im Zusammenhang mit der Hofübergabe oder einen ungeklärten Hofübergabe-Prozess. Die Hofübergabe ist mehr als ein Vertrag – sie ist ein Prozess, der Beziehungen, Erwartungen und wirtschaftliche Realitäten zusammenführt. Daher finden Sie hier einen Überblick zur Gestaltung der Hofübergabe und Hinweise auf fundierte Informationen und bewährte Beratungsangebote.
Vorab die wichtigsten Erfolgsfaktoren:
- Frühzeitig beginnen
- Offen kommunizieren
- Zahlen transparent machen
- Fachliche Beratung und Prozessbegleitung nutzen
- Individuelle Lösungen finden
Einleitung: Warum rechtzeitig planen?
Die Hofübergabe ist einer der bedeutendsten Schritte im Leben eines landwirtschaftlichen Familienbetriebs. Sie entscheidet über die Zukunft des Unternehmens, die Absicherung der Übergeber und die Perspektiven der nächsten Generation. Gleichzeitig ist sie ein emotionaler Prozess, der oft Konflikte birgt: unterschiedliche Erwartungen, finanzielle Fragen, Wohn- und Pflegeaspekte sowie steuerliche und rechtliche Herausforderungen. Die Hofübergabe ist also kein einmaliger Akt, sondern ein mehrjähriger Prozess und dauert häufig zwei bis fünf Jahre. Wer frühzeitig plant, schafft Klarheit und vermeidet schmerzhafte oder teure Fehler. Ein „zu früh“ gibt es kaum – ein „zu spät“ dagegen oft.
Die Hofübergabe als Prozess – Beteiligte und Phasen
Die Beteiligten müssen für sich ganz unterschiedlichen Fragen beantworten:
- Übergeber: Welche Rolle möchte ich künftig spielen? Wie möchte ich eingebunden sein?
- Übernehmer: Welche Verantwortung übernehme ich? Welche Entwicklung strebe ich an?
- Weichende Erben: Welche Erwartungen habe ich? Wie werde ich eingebunden?
Beratung kann dabei helfen, die eigenen Wünsche herauszuarbeiten und umzusetzen. Erst wenn Ziele und Vorstellungen abgestimmt sind, sollte die steuerliche und rechtliche Gestaltung folgen.
Phasen der Hofübergabe
Bevor Ungeduld aufkommt, kann es hilfreich sein, sich klarzumachen: eine Hofübergabe durchläuft mehrere Phasen. Diese sind nicht immer scharf getrennt und bei offenen Fragen muss man auch noch einmal Schritte zurück machen. Aber die Phasen helfen allen Beteiligten, zu verstehen wie die verschiedenen Schritte ineinandergreifen:
| 1. Das Wollen | Grundsätzliche Entscheidung der Abgebenden für die Übergabe. |
| 2. Der Dialog | Erwartungen und Ziele aller Beteiligten klären. |
| 3. Analyse der Ist-Situation | wirtschaftliche und rechtliche Ausgangslage. |
| 4. Betriebsentwicklungsplanung | Zukunftsperspektive des Hofes erarbeiten. |
| 5. Nachfolgekonzept entwickeln und aushandeln | bis zur „geplanten“ Lösung. |
| 6. Steuerliche Prüfung | Gestaltungsmöglichkeiten nutzen. |
| 7. Vertragliche Umsetzung | notarieller Hofübergabevertrag. |
| 8. Umsetzung, Auswertung und Anpassung | Rollenwechsel, regelmäßige Überprüfung. |
Finanzielle und wirtschaftliche Aspekte
Transparenz ist entscheidend. Die Übergeber sollten Zahlen „auf den Tisch legen“:
- Durchschnittliche Gewinne aus Landwirtschaft und Nebenbetrieben
- Einnahmen und Ausgaben der Übergeber nach der Übergabe. Die Versorgungslücke sollte durch das Altenteil gedeckt sein, wenn dies für den Hof tragbar ist.
- Vermögen und Verbindlichkeiten
Für die Übernehmer gilt: Existenz sichern und Entwicklung ermöglichen. Investitionen (z. B. Stallumbau, neue Betriebszweige) müssen wirtschaftlich tragbar sein. Eine Planungsrechnung mit Liquiditätsprüfung ist Pflicht. Eine Hilfestellung bieten folgende INFOBAUSTEINE:
Die Rolle der weichenden Erben
Das BGB regelt die Erbfolge - auch für Höfe. Für die Bewertung von Höfen gelten aber Besonderheiten, die eine Überforderung der Hofnachfolgerinnen und Hofnachfolger vermeiden sollen. Daher wird das im landwirtschaftlichen Betrieb und Wohnhaus gebundene Vermögen nach Ertragswert bewertet, so dass sich in vielen Fällen relativ geringe Pflichtteile für die weichenden Erben ergeben. Auch hier gilt: die offene Kommunikation in der Familie und die gemeinsame Einigung ist entscheidend. Dabei kann es helfen, den Weichenden Erben einen Einblick in die Ertragslage des Betriebes zu geben. Transparenz über die Leistungsfähigkeit des Betriebs erleichtert so die Einigung in der Familie.
Wohn- und Pflegefragen
Die Frage, wer künftig wo wohnt, ist oft konfliktträchtiger als die eigentliche Betriebsübergabe. Klärungsfragen:
- Bleibt alles wie bisher?
- Austragshaus oder Umbau?
- Wohnraum für weichende Erben?
- Wer trägt die Kosten?
Pflege
- Früher war es weit verbreitet, dass die Hofnachfolger selbstverständlich für die Pflege der Altenteiler verantwortlich waren. Heute wird dies eher als eine Frage mit allen Kindern in der Familie besprochen. Wer leistet Pflege? Wer trägt Kosten?
- Trotzdem enthält der Hofübergabevertrag oft Regelungen zur Pflege. Bei hohen Pflegekosten kann der Betrieb gefährdet sein – daher ist rechtzeitig Vorsorge zu treffen und die Regelungen mit Bedacht zu wählen.
Steuerliche Gestaltung
Grundprinzip: die Hofübergabe innerhalb und außerhalb der Familie ist für das Betriebsvermögen meistens steuerneutral möglich, wenn der Betrieb fortgeführt wird.
Wichtige Punkte:
- Übergabe des gesamten Betriebsvermögens (Ausnahme: Bis zu 10 % der landwirtschaftlichen Eigentumsflächen können zurückbehalten werden, ohne stille Reserven aufzudecken)
- Privatvermögen (Wohnhaus) beachten!
Der Hofübergabevertrag – zentrale Inhalte
Der Vertrag wird notariell beurkundet. Typische Inhalte:
- Beteiligte Personen
- Übergabegegenstand (vollständig oder mit Rückbehalt)
- Zeitpunkt der Übergabe
- Gegenleistungen (Altenteil, Wohnrecht, Baraltenteil, Nießbrauch)
- Pflege- und Kostenregelung
- Abfindung weichender Erben, Nachabfindungsklausel
- Pflichtteilsverzicht
- Rückübertragungsrechte (z. B. bei Insolvenz)
Parallel zum Hofübergabevertrag sind Ehevertrag, Vorsorgevollmacht und Testament (auch für junge Übernehmer) zu erstellen bzw. zu aktualisieren.
Typische Fehler vermeiden
- Zu spät beginnen → Zeitdruck, Konflikte, steuerliche Nachteile
- Keine klare Kommunikation → Missverständnisse
- Fehlende wirtschaftliche Planung → Existenzgefährdung
- Wohn- und Pflegefragen ignorieren → spätere Streitigkeiten
- Steuerliche Gestaltung vernachlässigen → hohe Nachzahlungen
Seminare zur Hofübergabe
Neben den Fachinformationen bieten Seminare zur Hofübergabe eine sehr gute Gelegenheit, sich mit Berufskolleginnen und -kollegen auszutauschen, die in einer ähnlichen Situation sind. Dieser Erfahrungsaustausch wird häufig als sehr wertvoll empfunden.
Echte Standardwerke - die jährlich aktualisierten Broschüren des Evangelischen Bauernwerks in Hohebuch:
Broschüre: Materialien zur Hofübergabe
44. aktualisierte Auflage, Januar 2026, 75 Seiten
Autoren: Veronika Grossenbacher, Angelika Sigel, Berndt Eckert
Kosten: 12 € + Versandkosten
Broschüre: Materialien für Betriebe ohne Hofnachfolger
35. aktualisierte Auflage, Januar 2026, 47 Seiten
Autoren: Angelika Sigel, Veronika Grossenbacher, Gerhard Hezel
Kosten: 12 € + Versandkosten
Bezug:
Veronika Grossenbacher, Evang. Bauernwerk in Württemberg, 74638 Waldenburg-Hohebuch,
Tel.: 07942/ 107-12, Fax: 107-77, V.Grossenbacher@hohebuch.de
Der Inhalt wurde von Cornelia Roeckl, Leitung des Fachteams Betriebsentwicklung des Bioland e.V., erstellt.
Hinweis:
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